Antriebstyp

Name

Sindorfer Mühle

Quellen

Abbildungen:
1 Foto (Vogt, Wassermühlenführer, S. 156).
13 Fotos (Rheinisches Amt für Denkmalpflege, Zentrales Denkmälerarchiv, 7: Kerpen, Sindof).
1 Abbildung (Möltgen, Titelbild)
1 Foto (Berichte über die Tätigkeit der Denkmalpflege in den Jahren 1983-1985, S. 280).
1 Karte (Rheinisches Amt für Denkmalpflege, Archiv Technik- und Industriedenkmalpflege, Wassermühlen, Akte Sindorfer Mühle).
3 Pläne (Rheinisches Amt für Denkmalpflege, Archiv Technik- und Industriedenkmalpflege, Wassermühlen, Akte Sindorfer Mühle).
7 Fotos (Rheinisches Amt für Denkmalpflege, Archiv Technik- und Industriedenkmalpflege, Wassermühlen, Akte Sindorfer Mühle).
1 Skizze (Archiv des Erftverbands, Akte 411/0).

Quellen:
Archiv des Erftverbandes, Akte 411/0: Mühlen Generalia 1867-1923.

Archiv des Erftverbandes, Mühlen Wasserbuch (ohne Signatur - Altsignatur: II VB 71.551).

Rheinisches Amt für Denkmalpflege, Archiv Technik- und Industriedenkmalpflege, Wassermühlen, Akte "Sindorfer Mühle".

Rheinisches Amt für Denkmalpflege, Archiv Technik- und Industriedenkmalpflege, Wassermühlen, Akte "Wassermühlen Erftkreis Allgemein".

Rheinisches Amt für Denkmalpflege, Zentrales Denkmälerarchiv, 7: Kerpen, N-Z.

Literatur:
Berichte über die Tätigkeit der Denkmalpflege in den Jahren 1983-1985.
in: Jahrbuch der Rheinischen Denkmalpflege, Bd. 34.
Köln / Kevelaer 1992, S. 137-440.

Heidenbluth, Daniel:
Mühlenforschung. Mühlen der Erhaltungskategorie A.
Köln 2000.
(Manuskript, Exemplar im Kreisarchiv des Rhein-Erft-Kreises, Bergheim).

Möltgen, Manfred:
Wassermühlen an der Erft.
Bergheim o. J. (2001).

Sommer, Susanne:
Mühlen am Niederrhein. Die Wind- und Wassermühlen des linken Niederrheins im Zeitalter der Industrialisierung (1814-1914).
(= Werken und Wohnen. Volkskundliche Untersuchungen im Rheinland, Bd. 19).
Köln / Bonn 1991.

Vogt, Hans:
Niederrheinischer Wassermühlenführer.
(Hrsg.: Verein Niederrhein e.V.)
Kleve, 2. Aufl. 1999.

Zimmermann, Josef:
Bodenkultur und Landschaft der Erftniederung.
(= Bonner Geographische Abhandlungen, Heft 3).
Bonn 1941.

Antriebstyp
Standort

Kerpen-Sindorf
Deutschland

Name

Sindorfer Mühle

Eigentümeraddresse

Deutschland

Geschichte

15. Jahrhundert
Das Dorf Sindorf kommt wie die Mühle als jülich’sches Lehen an die Herren von Hemmersbach; die Mühle bediente das westliche Erftniederungsgebiet mit dem Ort Sindorf
(Vogt, Wassermühlenführer, S. 157).

2. Hälfte 18. Jahrhundert
Bau des heutigen Mühlengebäudes, das die Hofanlage nach Nordwesten abschließt; nicht nur der Mahlzwang brachte Müller und Grundherr erhebliche Einnahmen, auch der von der Müllerfamilie (deren Angehörige in der Regel hohe Positionen in Gemeinde und Verwaltung besaßen, z. B. als Gemeindeschöffen oder „Halfen“) bewirtschaftete Grundbesitz warf einst reichen Gewinn ab.
(Heidenbluth, Mühlenforschung, Mühlen der Erhaltungskategorie A, Sindorfer Mühle).

1792
Errichtung des jetzigen Mühlengebäudes
(Berichte über die Tätigkeit der Denkmalpflege in den Jahren 1983-1985. in: Jahrbuch der Rheinischen Denkmalpflege, Bd. 34. Köln / Kevelaer 1992, S. 279).

1807/1808
Die Mühle ist als "moulin de Sindorf" in der Tranchot-Karte eingezeichnet.
(Sommer, S. 296).

1830
Erwähnung der Mühle
(Sommer, S. 296).

1837
Sindorf, Sindorfer Mühle, Besitzer G. von Trips, Pächter Mathias Braun
(Sommer, S. 296).

1843
Sindorfer Mühle, 10 Einwohner
(Sommer, S. 296).

1851
Erwähnung der Mühle
(Sommer, S. 296).

1901: Sindorfer Mühle
Ordin. 71,64: Werkschütz (Fachbaum)
Ordin. 71,63: Freiwasserschütze (Fachbaum)
Ordin. 73,15: Radachse
(Archiv des Erftverbands, Akte 411/0).

1911
Sindorfer Mühle, Pächter Carl Braun
(Sommer, S. 296).

1914
Wassermühlensignatur in der topographischen Karte
(Sommer, S. 296).

1941
Sindorfer Mühle gehört zu Schloss Hemmersbach
(Zimmermann, Bodenkultur, S. 147).

um 1950
Die Sindorfer Mühle ist noch in Betrieb
(Sommer, S. 296).

ohne Datierung
Der heutige Eigentümer erwirbt die Sindorfer Mühle vom Grafen Berghe von Trips, dem letzten Herrn auf Hemmersbach
(Vogt, Wassermühlenführer, S. 157).

seit 1974
kommerzielle Nutzung
(Erftverband: Angaben zur Nutzung von Homepage des Erftkreis-Mühlenkreis e. V. in: Rheinisches Amt für Denkmalpflege, Archiv Technik- und Industriedenkmalpflege, Wassermühlen, Akte Wassermühlen Erftkreis Allgemein).

1980
Renovierung des Wasserrades durch Rheinbraun
(Vogt, Wassermühlenführer, S. 157).

1983-1885
Sindorf, Sindorfer Mühle. Am Erftlauf wurde das jetzige Mühlengebäude 1792 als Fachwerkgebäude errichtet. Es gehört zu einem geschlossenen, landwirtschaftlich genutzten Hof des 18. / 19. Jhs. Die Wassermühle ist in der Technik vollständig erhalten und funktionstüchtig. Das eiserne Wasserrad stammt aus dem 19. Jh. Zusätzlich zur Mühleneinrichtung ist ein Backofen enthalten. Der nordwestliche Fachwerkgiebel wurde erneuert, der Dachstuhl zimmermannsmäßig repariert und das Dach mit Tonhohlpfannen eingedeckt. Das eiserne Wasserrad, dessen Schaufeln durch Rostfraß weitgehend zerstört waren, erhielt neue Schaufeln in gleichen Formen.
Bericht: Dr. Frank Kretzschmar
(Berichte über die Tätigkeit der Denkmalpflege in den Jahren 1983-1985. in: Jahrbuch der Rheinischen Denkmalpflege, Bd. 34. Köln / Kevelaer 1992, S. 279, 280).

1987
denkmalpflegerische Aufnahme
Die Hofanlage stammt in Teilen aus dem 18. Jahrhundert, 1874 und 1883 inschriftlich datiert
Mühle mit separat liegendem Wohnhaus und 3-flügelig zugeordneten Wirtschaftsgebäuden an der großen Erft gelegen; Mühlteil noch vorhanden. Der nordwestlich des Wohnhauses liegende Mühlentrakt weist noch Fachwerk mit Lehmflechtwerk und Zapfenschlössern auf. An der Rückseite, zur Großen Erft, befindet sich das Mühlrad.
(Rheinisches Amt für Denkmalpflege, Zentrales Denkmälerarchiv, 7: Kerpen, Sindorf)

Zustand

1999
Auf dem Türbalken über dem Eingang zum heutigen Mühlenhaus steht „Juni 1791“. Das eiserne Rad stammt aus dem 19. Jahrhundert. Zwei Mahlgänge sind erhalten. Der heutige Eigentümer veranstaltet alljährlich im September auf seinem Hof ein Mühlenfest, dessen Erlös zu ihrer Instandhaltung dient.
(Vogt, Wassermühlenführer, S. 157).

2000, April
Erhalten sind: Das unterschlächtige, eiserne Wasserrad, Durchmesser ca. 500 cm aus der Zeit um die Jahrhundertwende (19. zu 20. Jahrhundert) sowie die dazugehörige, eiserne Wehranlage; im Untergeschoss befindet sich das stehende Getriebe (stehendes Vorgelege, „stehendes Zeug“), bestehend aus gusseisernem, holzverzahntem Kammrad, auf der Wasserradwelle sitzend mit achteckiger Innenfassung für die ursprünglich hölzerne Welle des früheren „Strauberrades“, nachträglich verringert mit „Zwischenstück“ zur Aufnahme der heutigen, eisernen Wasserradwelle; der stehenden, eisernen Hauptantriebswelle mit gusseisernem Winkel-(Kegel)rad, das mit dem vorgenannten holzverzahnten Kammrad der Wasserradwelle verbunden ist, und dem darüber liegenden, großen Stirnrad. Dieses ist gänzlich aus Holz gefertigt, wobei der Radkörper vermutlich aus Eichen-, die Kammen {Zähne} aus Weißbuchen-{Hainbuchen-}holzbestehen und aus dem 19. Jahrhundert stammen. Möglicherweise stammt dieses Rad aus dem früheren, komplett hölzernen Getriebe der Mühle, das bis zum Ende (80er/90er Jahre) des 19. Jahrhunderts bestand. Dieses große Stirnrad greift in 3 im Dreieck um dieses herum gruppierte kleine gusseiserne Stirnräder, die ausrückbar auf den Mühleisen der 3 Mahlgänge befestigt sind. Die Mühleisen sind mit ihren unteren Enden in sogenannten „Spurtöpfen“ (Fußlager mit Rotguss bzw. Bronzeeinsatz) gelagert. Die Spurtöpfe sind auf den höhenverstellbaren „Spurbalken“ befestigt, die sich mittels einer Stellspindel mit Handrädern bzw. Kurbeln nach oben bzw. unten verstellen lassen. Mit diesem Mechanismus lässt sich der Abstand zwischen dem Boden- bzw. Läuferstein des jeweiligen Mahlganges vergrößern oder verringern. Das Grundgerüst (Stuhl) der Getriebe- bzw. Mahlanlage ist ausschließlich aus Eichenbalken gefertigt und stammt möglicherweise noch aus dem ausgehenden 18. oder beginnenden 19. Jahrhundert.
Im 1. Obergeschoss befinden sich die 3 Mahlgänge: „Steinkranz“, hölzerne „Mahlgangsbütte“, „Rumpfzeug“ = Aufschüttvorrichtung bzw. „Einlauf“ des Mahlgutes zwischen die Mahlsteine, bestehend aus: Einfülltrichter, Rüttelschuh, Spindel mit Lederriemen zum Verstellen des Rüttelschuhs, Eschenholzfeder zum „Rückholen“ des Rüttelschuhs, „Dreischlag“, d. h. eine Verlängerung des Mühleisens über den Bodenstein hinaus mit drei abgerundeten „Ausstülpungen“, die rhythmisch den Rüttelschuh in Bewegung setzen, der das Mahlgut gleichmäßig in das „Steinauge“,de kreisförmige Öffnung in der Mitte des Läufersteins, efördert. Die Mahlsteine haben einen Durchmesser von ca. 140 cm und bestehen aus gegossenem Material (magnesiumgebundener Mörtel mit eingeschlossenen Quarz, Feuerstein und griech. Schmirgelpartikeln).
In der Raummitte befindet sich die Verlängerung der Hauptantriebswelle, die über ein gusseisernes, holzverzahntes Winkelgetriebe die Haupttransmissionswelle antreibt. Diese überträgt über Flachriemenscheiben die Antriebskraft des Wasserrades auf den Getreide- oder Sackaufzug der über einen handbedienbaren Schleifmechanismus eine Ketten- bzw. Seilwinde in Bewegung setzt.
Ebenfalls erhalten ist eine funktionstüchtige Transmissionswelle, die ursprünglich über ein Drahtseil die im gegenüberliegenden Scheunentrakt befindlichen, stationären landwirtschaftlichen Maschinen antrieb.
Um einen zukünftigen „Schaubetrieb“ in der Sindorfer Mühle zu ermöglichen, sind einige Reparatur- und Wartungsarbeiten unumgänglich. Vornehmlich das Getriebe im Erdgeschoss braucht eine gründliche Restaurierung, denn fast
sämtliche Lagerungen sind verschlissen bzw. „ausgeschlagen“ und haben sich teilweise gelöst. Die Verzahnung des hölzernen, großen Stirnrades ist stark abgenutzt und teilweise wurmstichig, einige „Kammen“ sind bereits herausgebrochen! Die Läufersteine sind extrem „abgemahlen“. Der übrige Teil der Mühleneinrichtung ist in einem gut erhaltenen Zustand.
(Heidenbluth, Mühlenforschung, Mühlen der Erhaltungskategorie A, Sindorfer Mühle).

2001
Sindorfer Mühle ist voll funktionstüchtig und wird zur Demonstration des alten Gewerbes ab und zu wieder in Betrieb gesetzt
(Möltgen, S. 32).

2002
private Nutzung
(Erftverband: Angaben zur Nutzung von Homepage des Erftkreis-Mühlenkreis e. V. in: Rheinisches Amt für Denkmalpflege, Archiv Technik- und Industriedenkmalpflege, Wassermühlen, Akte Wassermühlen Erftkreis Allgemein).

2004, November
denkmalpflegerische Beschreibung (Dr. Buschmann)
Das zweigeschossige Mühlengebäude ist im Türbalken inschriftlich datiert: 1791. Der Baukörper ist T-förmig aufgebaut mit Steilgiebel zum Wohnhaus und Krüppelwalm zur Flussseite. Das Hauptgebäude ist überwiegend ein Backsteinbau mit einem Restbestand an Holzfachwerk im Türbereich. Der Flügelbau ist ein Fachwerkbau auf Sockelgeschoss in Backstein mit Ausfachung in Backstein. Das Fachwerk zur Nordseite ist komplett erneuert. Zur Flussseite segmentbogige Öffnung mit kleinsprossigen Gusseisenfenstern.
Die Erft führt in mehreren Kurven auf das Mühlengebäude zu. Sie fließt im Bereich der Hofanlage direkt an den Gebäuden entlang und endet an einem quer stehenden Wehr direkt vor dem Wasserrad.
Dem Wehr vorgelagert ist ein Steg und ein Reinigungsrechen. Im rechten Winkel zum Wasserradwehr befindet sich das eigentliche Erftwehr, das in eine lang gezogene Backsteinmauer eingebunden ist. Das Wehr besteht aus zwei Schütztafeln, die Zahnstangen, werden im Handbetrieb betätigt. Das Wasser fließt in einen Mühlenkolk, der der Mühle vorgelagert ist.
Inneres der Mühle:
Das Wasserrad ist mit einer Stahlachse mit dem stehenden Vorgelege verbunden. Die Wasserradachse ist auf einem Backsteinsockel gelagert. Das Lager ist eingebunden in einem gusseisernen Halbbogen, auf dem die Vertikalwelle steht. Winkelgetriebe ist mit gusseisernen Rädern versehen, das vertikale Rad mit Holzzähnen. Das große Korbrad ist vollständig aus Holz konstruiert. Es trieb ursprünglich drei Mahlgänge an. Zwei Mahlgänge können auch heute noch mit diesem Kronrad betrieben werden. Ursprünglich wurden diese Mahlgänge mit Korbrädern angetrieben. Heute bestehen die einfachen Zahlräder aus Gusseisen. Der rechte Mahlgang war für Weizen, der vordere Mahlgang für Futtermittel und der hintere linke Mahlgang für Roggen. Der Antrieb für den ehemaligen Weizengang ist komplett ausgebaut, ebenfalls die zugehörige Absackvorrichtung. Die Absackvorrichtung für die anderen Mahlgänge sind erhalten. Ebenfalls erhalten sind die mächtigen Subkonstruktionen als Unterstützung des Läufersteins.
Im Mahlraum endet die vertikale Welle (Stahl) in einem Stirnrad, das über ein Zahnrad eine Transmissionswelle treibt. Auf dieser Transmissionswelle sitzen mehrere Transmissionsscheiben. Die unmittelbar auf das Winkelgetriebe folgende Transmissionsscheibe aus Gusseisen treibt über einen Transmissionsriemen eine weitere Achse, von der über eine Holzscheibe eine Haferquetsche betrieben wurde.
Die darauf folgende Transmissionsscheibe in Holz hat einen Transmissionsriemen, der außerhalb des Gebäudes eine Achse antreibt, mit der ein Generator zur Stromerzeugung angetrieben wurde. Die dritte Transmissionsscheibe treibt über einen Transmissionsriemen den Sackaufzug. Von der außerhalb des Gebäudes angeordneten Transmissionsachse wurde über ein Stahlseil auch ein Göpel angetrieben zum Dreschen. Im Mahlraum sind zwei Mahlgänge komplett erhalten und der dritte Mahlgang ist nur mit der hölzernen Einfassung erhalten. Alle Mahlgänge sind mit Einfülltrichtern ausgestattet. Auch ein Kran zur Auswechslung der Mühlsteine ist erhalten. Über dem Winkelgetriebe des Mahlraumes befindet sich ein Sichter und ein Roggensieb. Im Sichter wurde das Weizenmehl getrennt von den Schalen, die im Mahlprozess übrig blieben. Weizen und Weizenschalen wurden unten im Erdgeschoss in den Elevator gefüllt. Der Elevator transportierte beides bis knapp unter das Dach. Im Elevatorkopf befindet sich ein Schneckengang, mit dem das Mahlgut auf den Sichter aufgegeben wurde. Aus dem Sichter gelangte das gesäuberte Mehl auf der einen Seite wieder in den Mahlraum, wo es in einen Sack gefüllt werden konnte. Über eine schräg nach hinten laufende Rinne wurde Gries und Kleie nach unten in den Mahlraum geleitet.
(Rheinisches Amt für Denkmalpflege, Archiv Technik- und Industriedenkmalpflege, Wassermühlen, Akte Sindorfer Mühle).